Warum Unternehmen von Microsoft 365 zu Open Source wechseln

Microsoft 365 ist in deutschen Unternehmen allgegenwärtig. Outlook, Word, Excel, Teams – für viele Mitarbeitende sind diese Anwendungen so selbstverständlich wie Strom und Wasser. Warum also wechseln? Die Gründe sind vielfältig und werden für immer mehr Unternehmen immer gewichtiger.

Steigende Lizenzkosten sind der häufigste Auslöser für eine Neubetrachtung. Microsoft erhöht regelmäßig die Preise und bündelt Funktionen in teureren Paketen. Was vor fünf Jahren als überschaubarer Posten in der IT-Budgetplanung begann, hat sich für viele Unternehmen zu einem bedeutenden Kostenblock entwickelt. Doch Kosten sind nur ein Teil des Bildes.

Die zunehmende Sensibilität für Datenschutz und digitale Souveränität spielt eine ebenso wichtige Rolle. Seit dem Schrems-II-Urteil ist die Rechtslage für die Nutzung von US-Cloud-Diensten in Europa unsicher. Mehrere deutsche Datenschutzbehörden haben den Einsatz von Microsoft 365 in Schulen und Behörden bereits untersagt oder stark eingeschränkt. Für Unternehmen, die personenbezogene Daten verarbeiten, ist dies ein deutliches Warnsignal.

Vorbereitungsphase: Die Grundlage für eine erfolgreiche Migration

Bestandsaufnahme: Was nutzen Sie wirklich?

Der erste Schritt jeder Migration ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Microsoft-365-Dienste werden in Ihrem Unternehmen tatsächlich genutzt? Erfahrungsgemäß nutzen die meisten mittelständischen Unternehmen nur einen Bruchteil des Funktionsumfangs: E-Mail mit Outlook, Dateispeicherung mit OneDrive oder SharePoint, Dokumentenbearbeitung mit Word, Excel und PowerPoint, Kommunikation über Teams sowie Kalender und Kontaktverwaltung.

Für jeden dieser Bereiche gibt es leistungsfähige Open-Source-Alternativen. Die Herausforderung liegt nicht in der Funktionalität, sondern in der sorgfältigen Planung und Durchführung der Migration.

Datenbestand erfassen

Bevor Sie migrieren, müssen Sie wissen, was Sie migrieren. Erfassen Sie den Umfang Ihrer Daten: Wie viele E-Mail-Postfächer gibt es und wie groß sind sie? Wie viele Dateien liegen auf OneDrive und SharePoint? Welche gemeinsamen Kalender und Kontaktlisten werden genutzt? Gibt es Teams-Kanäle mit wichtigen Chatverläufen? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen den Aufwand und die Dauer der Migration.

Stakeholder einbeziehen

Eine Migration betrifft jeden Mitarbeitenden. Beziehen Sie frühzeitig Schlüsselpersonen aus verschiedenen Abteilungen ein. Identifizieren Sie Bedenken und Anforderungen. Wenn Ihre Buchhaltung komplexe Excel-Makros nutzt oder der Vertrieb stark auf Outlook-Integrationen angewiesen ist, müssen diese Anforderungen in der Planung berücksichtigt werden.

Die Migration Schritt für Schritt

Phase 1: E-Mail-Migration

Die E-Mail-Migration ist oft der kritischste Teil, da E-Mail das meistgenutzte Kommunikationsmittel im Geschäftsalltag ist. Der Umstieg von Exchange Online auf Mailcow erfordert die Migration aller Postfächer mit allen E-Mails und Ordnerstrukturen, die Umstellung der MX-Records auf den neuen Mailserver, die Konfiguration der E-Mail-Clients (Thunderbird oder weiterhin Outlook via IMAP) und die Einrichtung von Spam- und Virenfiltern.

Professionelle Migrationstools wie imapsync können den Transfer großer Postfächer automatisieren. Die Migration kann im Hintergrund laufen, während die Mitarbeitenden noch mit dem alten System arbeiten. Der eigentliche Umschaltzeitpunkt – die Änderung der MX-Records – dauert nur wenige Minuten.

Phase 2: Dateien und Dokumente

OneDrive- und SharePoint-Inhalte werden nach Nextcloud migriert. Für die Dateiübertragung gibt es mehrere Wege: den direkten Download und Upload über WebDAV, spezialisierte Migrationstools, die die Ordnerstrukturen und Berechtigungen übernehmen, oder den Export via Microsoft Graph API und Import in Nextcloud.

Achten Sie besonders auf die Berechtigungsstruktur: Wer hatte Zugriff auf welche Ordner in SharePoint? Diese Berechtigungen müssen in Nextcloud nachgebildet werden, damit sensible Dokumente weiterhin geschützt sind.

Phase 3: Kalender und Kontakte

Kalendereinträge und Kontakte lassen sich über das iCalendar-Format (.ics) und vCard-Format (.vcf) exportieren und in Nextcloud importieren. Gemeinsam genutzte Kalender und Kontaktgruppen müssen separat behandelt werden. Nach der Migration synchronisieren sich alle Daten über CalDAV und CardDAV automatisch mit Desktop- und Mobilgeräten.

Phase 4: Office-Dokumente

Microsoft-Office-Dokumente (.docx, .xlsx, .pptx) können in Nextcloud mit Collabora Online oder OnlyOffice direkt im Browser bearbeitet werden. Die Kompatibilität ist für die allermeisten Dokumente hervorragend. Komplexe Excel-Dateien mit Makros erfordern möglicherweise eine Anpassung – hier empfiehlt sich eine Vorab-Prüfung der geschäftskritischen Dokumente.

Phase 5: Kommunikation und Chat

Microsoft Teams wird durch Nextcloud Talk ersetzt. Für die grundlegenden Funktionen – Chat, Videoanrufe, Bildschirmfreigabe – bietet Nextcloud Talk eine vollwertige Alternative. Bestehende Teams-Chatverläufe können exportiert werden, allerdings ist die direkte Übernahme in ein neues System technisch aufwendig. In der Praxis beginnen die meisten Unternehmen mit einer sauberen Kommunikationshistorie im neuen System.

Typische Herausforderungen und wie Sie sie meistern

Mitarbeiterakzeptanz

Der größte Widerstand bei einer Migration kommt selten aus der IT-Abteilung – er kommt von Mitarbeitenden, die sich an ihre gewohnten Werkzeuge gewöhnt haben. Kommunizieren Sie frühzeitig und transparent, warum der Wechsel stattfindet. Betonen Sie die Vorteile: mehr Datenschutz, keine Tracking-Bedenken, und auf lange Sicht ein unabhängigeres Unternehmen.

Bieten Sie ausreichend Schulungszeit an. Die meisten Mitarbeitenden gewöhnen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen an die neue Umgebung – vorausgesetzt, sie erhalten gute Einweisungen und haben Ansprechpartner für Fragen.

Kompatibilität mit externen Partnern

Ihre Geschäftspartner nutzen möglicherweise weiterhin Microsoft 365. Das ist kein Problem: Office-Dokumente können in Collabora und OnlyOffice bearbeitet und im Microsoft-Format gespeichert werden. E-Mails funktionieren selbstverständlich systemübergreifend. Und für Videokonferenzen mit externen Partnern können diese über einen einfachen Link an Jitsi-Meetings teilnehmen, ohne Software installieren zu müssen.

Spezielle Anwendungsfälle

Einige Unternehmen nutzen spezifische Microsoft-365-Funktionen wie Power Automate, Power BI oder SharePoint-Workflows. Für diese gibt es je nach Anwendungsfall Open-Source-Alternativen oder sie müssen durch alternative Lösungen ersetzt werden. Hier ist eine individuelle Analyse notwendig, um die bestmögliche Alternative zu finden.

Zeitplan und Ressourcenplanung

Für ein mittelständisches Unternehmen mit 30 bis 100 Mitarbeitenden sollten Sie mit einem Migrationszeitraum von sechs bis zwölf Wochen rechnen. Die Planung und Vorbereitung nimmt zwei bis vier Wochen in Anspruch, die technische Migration vier bis sechs Wochen und die Nachbetreuung und Optimierung weitere zwei bis vier Wochen.

Ein paralleler Betrieb beider Systeme während der Übergangsphase ist empfehlenswert. So können Mitarbeitende sich schrittweise umgewöhnen, und bei unerwarteten Problemen steht das alte System als Rückfalloption bereit.

Nach der Migration: Was sich ändert – und was besser wird

Nach einer erfolgreichen Migration werden Sie feststellen, dass sich im Arbeitsalltag weniger ändert, als viele befürchten. Die grundlegenden Abläufe bleiben gleich: E-Mails schreiben und empfangen, Dokumente bearbeiten, Termine koordinieren, mit Kollegen kommunizieren. Die Werkzeuge sehen anders aus, aber die Funktionalität ist vergleichbar.

Was sich spürbar verbessert: Sie haben die volle Kontrolle über Ihre Daten. Keine US-Server, kein CLOUD Act, keine Datenschutz-Unsicherheiten. Ihre IT-Kosten sind planbar und steigen nicht mit jeder Preiserhöhung von Microsoft. Und Sie sind frei, Ihre IT-Infrastruktur nach Ihren eigenen Bedürfnissen weiterzuentwickeln.

Fazit: Die Migration ist machbar – und sie lohnt sich

Der Wechsel von Microsoft 365 zu Open-Source-Alternativen ist kein Sprung ins Unbekannte. Tausende von Unternehmen in Europa haben diesen Schritt bereits erfolgreich vollzogen. Mit sorgfältiger Planung, professioneller Begleitung und ausreichend Schulungszeit ist die Migration für jedes mittelständische Unternehmen machbar.

Entscheidend ist der richtige Partner: Ein erfahrener Dienstleister, der die technische Migration ebenso beherrscht wie die Begleitung der Mitarbeitenden durch den Veränderungsprozess.

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